Ironman Hawaii. Mit großer Eskorte und viel Anfeuerung schwimmt die ältere Frau die letzten Meter im Meer, ehe sie auf die Treppe wankt. Dort nimmt sie ein Helfer in Empfang, flüstert ihr einige Worte ans Ohr – die Frau bricht weinend auf der Treppe zusammen. 24 Sekunden hatte sie sich auf die 3,8 Kilometer zu viel Zeit gelassen. Ihr Rennen war hier zu ende.
Knapp daneben ist eben auch vorbei, denke ich mir. Wie wahr…
Mein Ziel für den nächsten Tag ist weniger spektakulär als ein Ironman. Es sollen endlich die vermaledeiten 40 Minuten auf 10 Kilometer Laufen fallen. Das Rennen in München während des Marathons ist dazu bestens geeignet – 10.10.2010 die 10 Kilometer. Der Kurs ist flach, lässt viel Platz und führt über die Leopoldstraße, wo ich wohne. Wann, wenn nicht jetzt?
Ja wann? Denn am Ende steht eine Netto-Zeit von 40:03 Minuten zu buche. Knapp daneben eben. Mund abputzen weitermachen? Könnte man tun, aber ich will mich erst noch richtig ärgern. Bitte, lieber Leser, schnippe viermal gemächlich mit der Hand – das sind vier Sekunden. Lächerlich!
Knapp daneben, das ist für mich eben doppelt ärgerlich. Wären es zwei Minuten gewesen, dann wäre klar gewesen: Die Saison war lang und die Luft war raus. Aber so frage ich mich ständig: Wo habe ich die Zeit liegen lassen. Vier Sekunden!
Die Antwort weiß ich schon: Am Start habe ich mich mal wieder zu weit hinten angestellt. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass vor mir noch so viele schleichende Staffel-Läufer unterwegs waren. Die musste ich nach dem Startschuss alle mühsam überholen. Und dann: Auf der Franz-Joseph-Straße habe ich keine Kilometerschilder gesehen. Hier ist es passiert, dass ich 12:28 gebraucht habe für drei Kilometer. Also ich das dann auf der Uhr gesehen habe, konnte ich den Rückstand kaum noch aufholen. Davor und danach lag ich auf Plan oder leicht darüber.
Mit “knapp daneben” nun die Saison beenden? Ich hadere noch. Vielleicht doch noch in zwei Wochen in Germering starten? Oder lieber die Saison abhaken, neu aufbauen? Schließlich kann eine solch kleine Niederlage nach einer guten Saison Ansporn für nächstes Jahr geben, vielleicht sogar die kommenden Akzente bestimmen.
Der alten Frau beim Ironman jedenfalls bleibt nicht viel anderes übrig. Sie hat sicherlich keine zweite Chance in der Saison ihren Traum zu verwirklichen. Wer weiß, ob sie nächstes Jahr wieder starten kann oder darf. Traurig für sie…
Knapp daneben ist halt einfach verdammt ärgerlich.


Mein Jahresabschlußwettkampf war der Inline-Marathon am 3.Oktober in Köln. Nachdem ich diesen bereits einmal vor 5 – 6 Jahren mit einer Zeit von 2h:18min gefinished habe, sollte diesmal die Zweitstundengrenze fallen. Ich könnte jetzt ganz viele Gründe nennen warum es nicht geklappt hat, aber während des Laufes habe ich wirklich alles gegeben und darauf bin ich letztlich stolz, auch wenn am Ende 90 Sekunden gefehlt haben.
Frank
Da kannst Du auch stolz darauf sein. Ich würde auch sagen, dass ich körperlich alles gegeben habe. Aber die vier Sekunden hätte ich vielleicht durch Cleverness rausholen können
)