Mit gemischten Gefühlen beende ich den Triathlon an der Donau. “Gemischt” weil ich einerseits diesen Wettkampf so routiniert wie keinen zuvor durchgezogen habe – ein gutes Gefühl. Andererseits jedoch habe ich sämtliche mir gesteckten Ziele in Bezug auf Zeiten klar verfehlt. Dafür kann ich noch nicht mal einen Grund ausmachen – ein mieses Gefühl.

Am Wetter kann es schon mal nicht gelegen haben: Optimale Bedingungen, nicht zu heiß, nicht zu kalt, nur ein wenig Wind. Die Donau ist angenehm warm. Mit einem kühnen Sprung von der Ufermauer stürzen sich die Teilnehmer der Kurzdistanz in den Seitenarm des Flusses und versammeln sich unter der Schnur, die die Startlinie markiert. Ich versuche mich ein wenig weiter vorne zu postieren – viele andere leider auch… Start! 300 Teilnehmer gehen Gleichzeitig auf die Jagd. Es gibt ein Hauen und Treten. Vielen, die sich ganz vorne eingeordnet haben, fehlt wohl die rechte Selbsteinschätzung, denn schon bald habe ich jede Menge schwimmende Hindernisse vor mir. Meine Hintermänner versuchen mich nun zu überschwimmen, weil ich das Tempo rausnehme, statt meinerseits den Vordermann unter Wasser zu drücken.

Hier steht mir vielleicht meine Ethik im Weg: Ich kann mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, jemand unter Wasser zu drücken. Denn der hinter mir wird gleich nachkommen nd ihn ebenfalls tunken. Und dann? Kommt der getauchte wirklich wieder hoch? Ich denke mir: Was für ein Seltsames Pack sind wir Triathleten eigentlich, wenn wir es billigend in Kauf nehmen andere zu treten und unter Wasser zu drücken, andererseits aber beim Windschatten-Fahren moralinsauer den Zeigefinger heben?

Zieleinlauf Regensburg Triathlon 2008Endlich etwas freier im Feld, ich komme in den richtigen Takt beim Schwimmen. Ich konzentriere mich auf den Armzug, auf die Atmung, versuche in meinen Körper hineinzuhören. Es geht mir gut! Die Klarheit beim Schwimmen ist sicherlich eine positive Erfahrung, die ich mitnehme aus Regensburg. Doch auch hier muss ich Lehrgeld bezahlen. Wer denkt, im Fluss könne man sich nicht verschwimmen, hat sich geschnitten. Denn gerade die klare Uferlinie wiegt in trügerische Sicherheit. Ich habe sie fest im Auge als Orientierung, bis ich feststellen muss, dass sie näher erscheint, als sie es tatsächlich ist. Ich befinde mich zu sehr in der Mitte der Donau. Die anschließende Korrektur kostet mich vermutlich das erste angestrebte Ziel: Schwimmzeit unter 25 Minuten. 17 Sekunden fehlen mir, als ich endlich aus dem Wasser komme, mich die Treppen hinaufzerre und den Chip über den Sensor schleife.

Beim ersten Wechsel überhole ich sogar noch den Athleten, der vor mir aus der Donau gestiegen war. Ein gutes Gefühl. Das war es dann aber auch mit “gut”. Denn auf dem Rad werde ich nur überholt. Obwohl mir die Strecke mit ihren vielen Anstiegen liegen sollte, kann ich niemanden mehr kassieren. Niemanden! Stattdessen jagt ein Fahrer nach dem anderen an mir vorbei. Ich versuche mir Mut einzureden, vielleicht war ja meine Schwimmzeit so gut, dass ich so viele Athleten hinter mir gelassen habe? War sie wohl auch. Doch es nutzt nichts: Meine Moral sinkt zusehends. So turtle ich am Ende mit einem 30er Schnitt zum zweiten Wechsel ein.

Entnervt geht es auf die Laufstrecke. Ich nehme mir vor, hier wieder Land zu gewinnen. Traumziel: 45:xx Minuten. Vom Trainingsstand sollte es machbar sein, ich fühle mich halbwegs gut. Routiniert gehe ich rein in den Run, es tut mir auch nichts weh, wie in Karlsfeld. Doch das Gefühl alleine macht noch keine Beine. Ich trullere trotzdem mit satten 47:54 ein – ein desaströses Laufergebnis!

Es bleibt die Erkenntnis, dass Schmerzfreiheit und Routine noch keine Garanten für Tempo sind. Ich tröste mich im Ziel mit Kuchen darüber hinweg und nehme immerhin die schöne Landschaft und die Freude über einen gut organisierten Wettkampf mit nach Hause. Zusammen mit einer POrtion Wut im Bauch…

Zeiten und Platzierung:
Gesamt: 2:28:01 – Schwimm: 25:17, Rad: 1:14:50, Lauf: 47:54

Platz 152 von 302, Platz 29 in AK 35