Die öffentlich rechtlichen Sendeanstalten steigen aus der Berichterstattung über die Tour de France aus. Und ich sage: Endlich! Das Jammern und Drohgebären war nicht mehr auszuhalten.
Das ärgert mich nicht.
Was mich allerdings immer wieder auf die Palme treibt ist die Selbstherrlichkeit, das Pseudogerechtigkeits-Gehabe von ARD und ZDF. (Aktuelles Sportstudio vom 18. Oktober 2008 - noch hier zu sehen) Wolf-Dieter Poschmann knöpft sich einen aktuellen Fahrer - Ciolek - und einen geständigen Dopingsünder - Jaksche - vor, um damit den Ausstieg aus der Berichterstattung zu rechtfertigen.
Die teilweise unverschämte und unterstellende Art, die durch das Feixen des Publikums unterstützt wird, lässt mich an eine öffentliche Zurschaustellung zynischer Sorte denken.
Und genau da schwillt mir der Kamm. Denn die öffentlich Rechtlichen stecken doch selbst bis zum Hals mit drin. Sie haben Radsport gefördert, hochgejubelt, verkauft und davon profitiert. Und dabei haben sie jahrelang ihre kritische Distanz auf Null zurückgedreht. Wieviel Gehör etwa fand Ralf Meutgens, ein Journalist, der seit Jahren über Doping schreibt, bei den ARD und ZDF? Wieviel Herr Franke? Wieviel Frau Geipel? Es wäre so einfach gewesen, man hätte nur fragen WOLLEN!
Diese nötigen Fragen haben andere gestellt: Französische Zeitungen, spanische Ermittler... die Leistung unserer öffentlich Rechtlichen tendierte dabei gegen null. Und die sogenannten Sportjournalisten prostituierten sich jubelnd bei den Radsponsoren. Solange das Geschäft lief, war kritischer Journalismus und Distanz nicht gefragt.
Dabei bezahlen wir alle die öffentlichen Anstalten doch genau dafür, dass sie eben nicht abhängig sind von anderen Geldern. Sie dürfen - nein - sie MÜSSEN journalistisch investigativ und distanziert arbeiten.
Das tun sie nicht. Sie taten es zu keiner Zeit.
Würden sie es tun, dann hätte es keine Olympia-Übertragung geben dürfen. Denn die Skandale und Verwicklungen des IOC, die politischen Motive der Großmacht China, die Fabelweltrekorde von Bolt und Phelbs, die Erkenntnisse um Marion Jones oder die Aussagen von Angel Heredia - all das hätte einen deutlich konzentrierteren und schärferen Journalismus gebraucht.
Es gab ihn nicht.
So verkommt die vermeintliche Schärfe von Poschmann zu einer Rechtfertigungsarie der Öffentlichen sich aus einem Geschäft zurückzuziehen, das kein gewinnbringendes mehr ist. Noch funktionierende Geschäfte allerdings tastet man lieber nicht an. Soll ich es mal sagen? Ja, ich tu es:
Fußball!
Wann hat man in letzter Zeit hier auch nur einen Hauch an Systemkritik erkennen können? Und das trotz zahlreicher Hinweise, das sogar schon in Bern gedopt wurde. Um Gottes willen: Herr Hoeneß könnte ja böse werden... Wenn Olli Kahn den Urinbecher durch die Gegend wirft, wird das als schrullig abgetan. Man stelle sich vor, ein Radfahrer täte das.
Um es auf den Punkt zu bringen: Die Tests im Fußball sind lächerlich. Immer noch. Obwohl auch seit Fuentes klar ist, dass der Fußball mit drinsteckt. Kollegen der Süddeutschen zeichnen ein klares Bild.
Der Radsport ist nicht am Ende, er ist nur zurechtgetutzt. Und er reinigt sich hoffentlich selber. Nicht die UCI, die ASO tut es mit Konsequenz. Gut so!
ARD und ZDF werden weiter Fußball, Olympia oder Biathlon übertragen und dort höchstens Alibi-Journalismus betreiben. Bis dort vielleicht auch was auffliegt. Dann wird wieder schnell Distanz geschaffen.
Das widert mich an und hat mit Journalismus wahrlich nichts mehr zu tun. Es hat nur mit Geld und Feigheit zu tun.
Gut dass Eurosport die Tour noch überträgt.


Nachtrag zu Poschmann:
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2005/0808/medien/0017/index.html
Soviel zur Glaubwürdigkeit. Wer im Glashaus sitzt...