Ich wollte mich eigentlich nicht äußern zu den neuerlichen Rauchen-Nichtrauchen-Diskussionen. Aber hierbei verschlägt es mir die Sprache, so dass ich schreiben muss:
«Auch wenn der Tabakkonsum überaus gesundheitsschädlich und der Genuss von Tabak wie der Genuss jeder Droge unvernünftig ist, und auch wenn er einen großen Teil der Raucher in bedrückende Abhängigkeit bringt, so ändert das nichts daran, dass er als Bestandteil unserer Kultur von der allgemeinen Handlungsfreiheit geschützt ist.» …. sagt Bundesverfassungsrichter Johannes Masing.
Das Kulturargument höre ich in letzter Zeit öfter. Nur eine Frage: Wer sagt, dass sich Kultur nicht ändert? Vielleicht erstmal: Was ist denn Kultur? Wikipedia sagt dazu folgendes:
“… ist im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt, im Unterschied zu der von ihm nicht geschaffenen und nicht veränderten Natur.”
Irgendwie also alles. Ich nehme an, der Richter bezieht sich eher auf Tradition und Geselligkeit. Und was rechtfertigt das? – Genau: Nichts! Denn eine Tradition war bis vor Jahren sicherlich auch die, dass die Frau in einer Rolle als Mutter und Hausfrau verhaftet war. Das wurde gründlich aufgebrochen – mit Recht. Genauso darf man also diese Tradition, die Kultur des Rauchens (was immer das genau sein mag), aufbrechen.
Kurz gesagt: Kultur als Rechtfertigung gegen ein Rauchverbot ist kompletter Nonsens. Wenn ein Richter am Verfassungsgericht so einen Schmarrn erzählt, wird es mir Angst und Bange.
Noch was: Kultur kommt auch von “cultura”, der Pflege des Körper und des Geistes. Und damit hat Rauchen gleich mal gar nix zu tun.
Naja, Nikotin ist vorrangig mal ein Stimulans, also durchaus zur Pflege des Geistes geeignet. Auf andere Stoffe oder Stoffmixturen, die in der Natur vorkommen oder von Menschenhand gemacht wurden trifft dies ebenfalls zu. Diese aber finden sich im BtMG Anlage I bis III und sind daher nicht so einfach aus dem Automaten zu bekommen wie die “Zichte”. Aber das Nikotin macht nur ganz, ganz selten körperlich abhängig. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie leicht es physisch ist, von der Zigarette wegzukommen. Erzähle mir bloß keiner, er wäre süchtig! Ja, süchtig danach, etwas an den Lippen zuspüren, oder zwischen den Fingern. Nichts weiter. Der Mangel an Disziplin treibt die ahnungslosen Massen des Prekariats zurück an die Glimmstengel und den Billigschnaps von Plus, Lidl und Penny. Vivat cultura! (So, das mußte mal gesagt werden)
Um auf den vorherigen Beitrag zurückzukommen. Der Volksgesundheit schadet das Rauchen sicher mehr als der Sport und seine Unfälle.
Wie sagte Stromberg doch letzte Woche im TV. “Wenn die mich verklagt, dann geh’ ich bis nach Kaiserslautern…äh Karlsruhe!”
Ja auch ein schönes Thema. Wie schade das doch ist, das so eine gute Errungenschaft des letzten Jahrzehnts, das Rauchverbot, wieder und wieder zeredet wird bei uns.
In den anderen europäischen Länder war Rauchen doch auch “Kulturgut” und dort wurde auch eine einfache Regel durchgesetzt: Rauchen verboten.
Ich bin für das totale Rauchverbot aus drei Gründen:
1.) Die Angestellten eine Disko/Kneipe können es sich nicht aussuchen und es ist ihr Arbeitsplatzschutz. Oder würdet ihr akzeptieren, dass man wieder am Arbeitsplatz im Büro rauchen darf?
2.) Auch die Besitzer der Eckkneipen unterliegen dem Gesetz des Marktes und haben keine Wahlfreiheit. Wenn sie in diesen Kneipen das Rauchen freiwillig verbieten, dann gehe die Gäste eine Strasse weiter in eine Rauchkneipe, logisch, dass alle Eckkneipen rauchen freigeben müssen.
3.) “Rauchen verboten”. Ein ganz einfaches Gesetz, aber wir Deutschen brauchen ja immer tausend Regeln und Ausnahmen.
Übrigens bin ich sehr tollerant. Alle Raucher dürfen rauchen wo sie wollen: Auf Plätzen, Strassen, Parks, Bürgersteigen,Balkons,…….
Geht’s noch, Jörg? Du stellst Dich hin und bezichtigst Raucher der einzig psychischen Schwäche und Zugehörigkeit zum Prekariat? Sorry, Mann, mit so einem ausgemachten Scheiss sorgst Du eher für den gegenteiligen Effekt, dass also die Leute eher wieder zur Zigarette rauchen. Abgesehen davon, voll am Thema des Blogs vorbei.
Meine Meinung, nachdem ich mich wieder abgeregt habe
ist diese: am meisten nervt mich die Qualmerei eben nicht in Restaurants und schon gar nicht in Kneipen. Doof ist es beim Training, z.b. wenn man laufend in eine schöne Zigarillo-Wolke rennt. Bin mir allerdings bewusst, dass ein Rauchverbot im Park kaum durchsetzbar sein wird. Bedauerlich.
Insgesamt stimmen ich voll zu – ein Bundesrichter, der das Rauchen in die Nähe kultureller Errungenschaften bringt, sollte ernsthaft drüber nachdenken, sein Amt niederzulegen. Ich meine hier nicht den Akt des Rauchens an sich, sondern vor allem die verquere Argumentation. Dies kann, letzter Seitenhieb für heute, in ihrem Schwachsinn nur von Jörg getoppt werden.
Jetzt erstmal eine Rauchen
)
Helgman