So musste es kommen. DIe erste Beinahe-Hinrichtung eines Fahrers durch die Web-Medien. In einer Zeit, in der ein Internet-Angebot vom anderen abschreibt, ohne auch nur einmal an die eigentlichen Quellen zu gehen, nachzufragen, eine Meldung auf Richtigkeit zu überprüfen, wurde über Nacht der Fahrer Soler schon als neuer Doping-Fall gehandelt. Zu groß ist derzeit die Gier der Medien auf den nächsten positiven Befund. Das gibt doch Klicks wie irre, das darf nicht abreißen. Tour de Farce? Was besseres konnte den Medien doch nicht passieren…

Ebenso scheinheilig die Reaktion: Auf einmal stellen sich alle, die vorher kritiklos kopiert haben, auf die richtige Seite. Die DPA war’s, meint Spiegel online sinngemäß. “Die Gerüchteküche kocht über” bemängelt Radsportnews.com. Aber keine Sorge. Man hat ja nur einen möglichen Dopingbefund gemeldet – und daneben ein großes Bild eines Fahrers hingeheftet.

Auch wenn das juristisch sicher ist: Es ist dennoch mieser Journalismus. Denn Abschreiben beim anderen ist trotzdem die eigene Schuld (war jedenfalls auch in der Schule so).

Doping-Bekämpfung? Absolut! Aber bitte stets differenziert und sauber.

Denn: Gnade uns Gott, wenn eines Tages heraus kommt, dass ein Doping-Testverfahren nicht richtig funktioniert hat, wenn ein Fahrer zum ersten mal unschuldig war. Wenn System und Kontrolle ausfallen und die Medien vergessen haben Anwalt und Ankläger gleichermaßen aller Seiten – also auch die der Fahrer – zu sein, dann ist der Radsport wirklich am Ende. Wer glaubt dann noch irgendwem?

Wichtig: Es kann dennoch sein, dass Soler gedopt hat. Aber es muss eben hieb und stichfest bewiesen sein, bevor ein Name genannt wird.

Sauber arbeiten gilt für Fahrer, Kontrolleure UND Medien!

UPDATE, 30. Juli 2007: Ganz genau davor hatte ich Angst. Wenn (!!!) das wahr ist, dann gute Nacht. Wer glaubt dann noch einem Dopingtest? Wer glaubt aber noch einem Radfahrer? Grauenhaft…