Zwei Menschen sind tot. Am 13. Juli – mitten im Hochsommer – sterben die Läufer auf dem Weg zur Zugspitze. Beim Extrem-Berglauf über 14,7 Kilometer und 2100 Höhenmeter überrascht Schneefall die Sportler, die zumeist in kurzen Hosen und Oberteilen unterwegs sind. Das Tragische: Einer der Toten stirbt nur zehn Minuten vom Ziel entfernt.

Soweit die Fakten.

Zwei Menschen sind tot. Und es gibt andere Menschen, die dazu unbedingt etwas sagen müssen. Zum Beispiel heute morgen auf Bayern drei. Ein Anrufer – offensichtlich ein bergkundiger Mann – lässt dabei Vorwürfe laut werden: Wie man den Berg so unterschätzen könne. Ob denn das Gefühl für Gefahr am Berg abhanden gekommen sei? Jeder Bergsteiger wisse doch, dass das Wetter am Berg umschlagen kann.

Solche Äußerungen zu diesem Zeitpunkt sind einfach nur unpassend. Wer sich jetzt hinstellt und auf Belehrung macht, hat keine Sekunde daran gedacht, dass Angehörige trauern, Kinder ab jetzt vielleicht ohne Vater sind. Stattdessen schwingt gar eine Portion Häme mit. “Der Berg hat es ihnen gezeigt, dass mit ihm nicht zu spaßen ist! Und ich, der intime Kenner des Bergs, ich hätte es Euch sagen können!” – Hast Du aber nicht. Also: Klappe!

Zwei Menschen sind tot und die Radio-Moderatoren haben nichts besseres zu tun, als ein “sogenannt” vor das Wort “Sportler” zu hängen.
Das hört sich für mich dann so an: Nochmal eins mitgegeben, die waren “Möchtegerne”. Ha! Und überhaupt haben wir es immer gewusst: Sportler sind dumm, Extremsportler sowieso, das kann nicht gesund sein, ihr seid mindestens genauso schlimm wie Raucher. Was fällt Euch eigentlich ein Euch über uns zu erheben. Recht geschieht es Euch! Zugspitze hochlaufen, sowas dämliches! Und beim Marathon kommen ja auch immer ein oder zwei um! Herzversagen! Schlimm dieser sogenannte Lauf-Sport!
Keiner der Redakteure hat sich damit beschäftigt, wie ernst die beiden das trainiert haben, wie gut sie sich tatsächlich auskannten, ob sie zum ersten Mal dabei waren. Was das für Menschen waren, wie Berglauf-erfahren. Tatsächlich wissen sie gar nichts.

Im Straßenverkehr kommen täglich Menschen um. Niemand käme auf die Idee diese Opfer mit “sogenannte Fußgänger” zu bezeichnen, niemand würde diesen Opfern einen Vorwurf machen. Es wäre unpassend. Niemand würde den Verkehr an sich in Frage stellen. Nicht wahr?

Am Ende bleibt: Zwei Menschen sind tot. Und wir sollten vielleicht dazu einfach nur still sein.