Wendelstein Rundfahrt: Gebockt vor dem Hindernis

Gestern hatte es noch dreißig Grad, die Sonne schien. Jetzt sind es 15 Grad bei Dauerregen. Ob man es nun Alter oder Feigheit schimpfen mag – aber bei diesem Wetter fahre ich keine 165 Kilometer mit Bergen darin.

Es ist halb acht, als ich das erste Mal auf die Uhr schaue – der Wecker hätte eigentlich eine Stunde eher gehen sollen. Zu spät! Alarmstart! Wild stopfe ich mir ein Brot rein, packe meine Rennrad-Klamotten. Spätestens um 9 Uhr soll ich über die Startlinie der Wendelsteinrundfahrt fahren.

Aber irgendwie ist das ein Morgen, an dem – sicher auch durch die entstehende Hektik – alles schief läuft. Draußen ist es zudem diesig und es regnet. Meine Laune sinkt.

Dennoch spiele ich in Wettkampfroutine alles ab: Sachen packen, Trinkflaschen füllen, Rad holen. Als ich auf die Straße gehe, pralle ich aber zurück, wie vor einem unsichtbaren Hindernis: Es ist kalt. Es ist nass. Ich drehe um, noch bevor ich richtig nachdenke.

Oben in den Wohnung denke ich noch ein wenig nach: Ist das Feigheit? Am Mondsee habe ich bei diesem Wetter immerhin einen Triathlon absolviert…

Jetzt sitze ich hier, unschlüssig, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Klar: Man soll sich ja an solchen Events wie Rundfahrten und Wettkämpfen erfreuen, doch wenn man sich so leicht abhalten lässt, welches Zeichen setzt das? Wie viel Disziplin muss man dagegen setzen, damit man nicht irgendwann nur noch auf der Couch liegen bleibt? Und wann treibt einen die Disziplin in die Unlust?

Was meint Ihr? Wo ist die Grenze? Wie entscheidet man am besten, ob man einen Wettkampf sausen lässt?

You can leave a response, or trackback from your own site.

12 Responses to “Wendelstein Rundfahrt: Gebockt vor dem Hindernis”

  1. Reiner sagt:

    Einen Vorbereitungswettkampf z.B. auf Roth hätte ich auf alle Fälle durchgezogen. Aber einen Radmarathon in der zweiten Saisonhälfte? Ich glaube, ich hätte heute auch gekniffen zumal ich gar keine gscheite Regenjacke fürs Radfahren hätte :-(

  2. stephan sagt:

    Ah, also abhängig vom Saison-Zeitpunkt – gute Maßeinheit… richtig. Ich hätte vielleicht nicht gekniffen, wenn das eine Vorbereitung gewesen wäre.

  3. Chris sagt:

    Und ich dachte das Ding wäre morgen.
    Wahrscheinlich hätt’ ich’s auch sausen lassen, auch wenn mein Kampfgeist das eigentlich nicht hergibt.

  4. milko sagt:

    Klare Gegenfrage: Bereust Du es, dass Du nicht mit dabei warst? Oder ists Dir schon egal?

  5. Armin sagt:

    Ich war auch schokiert vom Wetter, fuhr aber trotzdem mit, nachdem ich längere Zeit in der Arbeit für einen freien Samstag kämpfen musste. Ich konnte so auch meine komplette Regen-/Winterkleidung testen. Es waren aber auch harte Jungs da, die Kleidung trugen, als hätte es 30 Grad. Auf dem Tatzelwurm dachte ich, jetzt fängst gleich an zu schneien. War aber doch nur der Nebel.
    Nachträglich gesehen bin ich froh, dass ich es durchgezogen habe. Die Veranstaltung war toll organisiert.

  6. stephan sagt:

    @milko Ich bereue es nicht, finde es aber schade. Heute wäre das Wetter ideal gewesen. Und meine rote Göttin (das Rad) strahlt mich an…

    Mit einem Tag Abstand und einem schönen Dauerlauf heute fühle ich mich aber besänftigt. Bist Du gestartet?

  7. stephan sagt:

    @Armin Respect! Aber genau darauf hatte ich irgendwie keinen Bock mehr. Fast alle Radveranstaltungen, auf denen ich war, hatten entweder was mit Regen oder Sturz zu tun. Langsam nervt’s. Einmal bei richtig gutem Wetter fahren…

  8. Sonja sagt:

    Ich war beim Starnberger-Schwimmen angemeldet und habe das gleiche gemacht wie du, bin in der Haustür wieder umgedreht (bzw. sogar schon an der Schlafzimmertür).
    Ich habe mir letztes Jahr in Roth beim 13-Stunden-Regen-Rennen selbst das Versprechen abgenommen: ich ziehe das hier jetzt nur durch, wenn ich mich danach NIE wieder dazu zwinge, mich Stunde um Stunden spaßfrei durch den Regen zu quälen.

    Meine Meinung: Man muss sich selbst gegenüber genauso konsequent sein Wort halten wie bei einem Kind! Ich schmeiße jedenfalls seitdem einer schönen Anmeldegebühr keinen beschissenen Wettkampf mehr hinterher, nur weil ich bezahlt habe, und bin trotzdem weiterhin zufrieden mit mir selber.

  9. Jörg sagt:

    Kennst mich ja, ich wär gar nicht erst aufgestanden bei dem Wetter. Bin ich trotzdem, wenn auch nur kurz. Nämlich um vom Bett zum Sofa zu wandeln.

  10. stephan sagt:

    @Jörg Musste da ans Kühtai denken. Wäre ich jetzt in einem Hotel vor Ort gewesen, wäre ich wohl auch gefahren – aber erst eine Stunde Anfahrt über die Autobahn… neneneneee.

  11. Luigi sagt:

    Du kannst dich immerhin damit trösten, daß das nicht dein Hauptwettkampf war auf den du eine Saison hintrainiert hast. Den Wendelsteinradmarthon gibt’s 2010 wieder, vielleicht bei besserem Wetter udn dann ist der verdammt geil!
    Ich war an dem Tag in der Schweiz beim Inferno Triathlon, selbes Wetter bei dichtem Nebel und 12`C, am großen Scheidegg (2000HM) 5`C rumgefahren, Sicht gleich keine 20m nur gefroren. Leider zum Glück?!, wie man’s nimmt hatte ich eine nicht behebbare Radpanne, die Platte im Klickpedal ist gebrochen und ich hatte noch 1500HM vor mir. So musste (durfte) ich nach der zweiten der 4 Disziplinen und 6h aufgeben. Habe mich dennoch geärgert und frustet immer noch. Aber wäre es nur ein normaler Triathlon oder eine RTF gewesen und ich wäre noch dazu daheim im eigenen Bett gewesen, hätte ich wohl ähnliches gemacht wie du. Mich einfach noch mal rumgedreht. Den Großglocknerkönig 2009 (auch Wetter unter aller sau) habe ich auch sausen lassen. 3h Autofahrt mit dem Wissen 10`C und starker Regen, ne danke. Mir macht so was bei strömenden Regen einfach keine Spaß nach der Mitteldistanz letztes Jahr in Berlin habe ich mir geschworen nie mehr ein Start bei dem Wetter. Aber gut jetzt hast’s mich wieder erwischt. Pech…
    Ihr könnt mich jetzt Weichei nennen, nur was bringt das? Macht keinen Spaß, die Leistung stimmt nicht. Man zahlt eine menge Geld für den Sprit. Stürzt man dann noch wird’s noch teuerer und schmerzhaft. All das ist viel ärgerlicher als die paar Euro Startgeld.

  12. Martin sagt:

    Also ich hatte im Sommer extra mehr (länger) Radln trainiert, weil ich die 165-km-Runde mal nonstop durchfahren wollte (als Test für eine Ironman-Teilnahme), so dass ein Nicht-Mitfahren für mich gar nicht in Frage kam. So bin ich um 9 Uhr gestartet in der Hoffnung, dass das Wetter bestimmt noch besser wird.
    Falsch gedacht: Es war dann doch nasser und kälter, als ich erwartet hatte (11 Grad am Sudelfeld) und ich bin bei den Gruppen lieber vorneweg gefahren, als mich im Windschatten (macht man als Triathlet ja sowieso nicht!) nassspritzen zu lassen. Und als es vor der Weiche in Dürnbach wieder anfing zu regnen, habe ich mich spontan entschlossen, nur die 115 km zu fahren. 4:20 Stunden im Regen reichen wirklich, und der Ironman muss halt noch warten …
    Naja, dafür war wenigstens am Sonntag beim München-Marathon – wie jedes Jahr – wieder bestes Wetter. :-)

Leave a Reply