Gestern hatte es noch dreißig Grad, die Sonne schien. Jetzt sind es 15 Grad bei Dauerregen. Ob man es nun Alter oder Feigheit schimpfen mag – aber bei diesem Wetter fahre ich keine 165 Kilometer mit Bergen darin.

Es ist halb acht, als ich das erste Mal auf die Uhr schaue – der Wecker hätte eigentlich eine Stunde eher gehen sollen. Zu spät! Alarmstart! Wild stopfe ich mir ein Brot rein, packe meine Rennrad-Klamotten. Spätestens um 9 Uhr soll ich über die Startlinie der Wendelsteinrundfahrt fahren.

Aber irgendwie ist das ein Morgen, an dem – sicher auch durch die entstehende Hektik – alles schief läuft. Draußen ist es zudem diesig und es regnet. Meine Laune sinkt.

Dennoch spiele ich in Wettkampfroutine alles ab: Sachen packen, Trinkflaschen füllen, Rad holen. Als ich auf die Straße gehe, pralle ich aber zurück, wie vor einem unsichtbaren Hindernis: Es ist kalt. Es ist nass. Ich drehe um, noch bevor ich richtig nachdenke.

Oben in den Wohnung denke ich noch ein wenig nach: Ist das Feigheit? Am Mondsee habe ich bei diesem Wetter immerhin einen Triathlon absolviert…

Jetzt sitze ich hier, unschlüssig, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Klar: Man soll sich ja an solchen Events wie Rundfahrten und Wettkämpfen erfreuen, doch wenn man sich so leicht abhalten lässt, welches Zeichen setzt das? Wie viel Disziplin muss man dagegen setzen, damit man nicht irgendwann nur noch auf der Couch liegen bleibt? Und wann treibt einen die Disziplin in die Unlust?

Was meint Ihr? Wo ist die Grenze? Wie entscheidet man am besten, ob man einen Wettkampf sausen lässt?