Ich oute mich mal: Ich bin ein Wettkampf-Hypochonder! Je näher der Tag meines Saisonhöhepunktes kommt - die Mitteldistanz beim ITT Ferropolis - desto nervöser werde ich. Argwöhnisch beobachte ich meine Kollegen: Hab ich da ein Husten gehört? Ein Niesen - "Du hast Heuschnupfen, oder?" frage ich besorgt. Türklinken fasse ich nur ungern an, sind Bazillen dran! Und U-Bahn-Fahren? Vergiss es! Die beste Garantie auf eine ordentliche Krankheit sind die Haltestangen und Türen öffentlicher Verkehrsmittel. Nicht gewusst?
Dummerweise bestärkt mich meine Umgebung derzeit auch noch. Das dauerkalte Wetter lässt Kollegen um mich herum reihenweise kränkeln, der Flur hustet im Kanon.
Warum ich so empfindlich bin? Ganz einfach: Seit 8 Monaten trainiere ich nur auf diesen einen Tag vor, die Investitionen (Startgebühr, Unterkunft - mal gar nicht zu reden vom neuen Zeitfahrrad) sind ebenfalls nicht gering. Das emotionale Bekenntnis zu diesem einen Tag ist der Wahnsinn. Dabei ist das ja nur eine Mitteldistanz - wie muss es einem angehenden Ironman da gehen?
Nun, hier war mein Outing. Für eine gute Therapie braucht man eine Gruppe mit Menschen, die vom gleichen Symptom betroffen sind. Wie sieht es unter Euch aus? Gibt es unter den Lesern Wettkampf-Hypochonder?
Noch drei Tage bis zum Start. Irgendwie glaube ich gerade ein Kratzen im Hals zu spüren.


Ich denke den meisten Triathleten, die sich auf ein solches Highlight vorbereiten geht es wie dir. Mir auch. Oute mich auch als Wettkampf-Hypochonder.
Schließlich lassen sich manche Wettkämpfe einfach nicht wiederholen (zumindest im selben Jahr). Wer eine OD macht, der findet mit großer Wahrscheinlichkeit ein paar Wochen später vielleicht etwas entfernt einen Ersatzwettkampf, bei dem er die Früchte seines Trainings ernten kann.
Für einen IM, Roth, Inferno ist das schwer, oder gar nicht möglich. Wer da nicht starten kann, hat halt ein paar Monate umsonst trainiert, das ist schon hart.
Daher finde ich, auch wenn unser Verhalten die Umwelt mehr als nervt, schon verständlich.
Wer will schon gerade 1-2 Wochen vor dem entscheidenden Wettkampf auf den er 6-8 Monate hintrainiert hat eine Grippe bekommen? Nur weil sich ein all so fleißiger Arbeitkollege krank mit Fieber und Husten mit letzter Kraft in die Arbeit schleppt, anstatt im Bett zu bleiben. Sich einem gegenüber in den Bürosessel setzt und einem 8h ins Gesicht hustet.
Man fühlt da förmlich, wie man krank wird, ist natürlich oft auch Einbildung. Manchmal bin ich schon erstaunt, wie man solche massiven Attacken ohne Krank zu werden übersteht, wenn das Immunsystem intakt ist. Nach einer extrem harten Trainingseinheit kann ein Huster reichen und man wird krank.