ITT-Ferropolis 2010 – Erfahrungen

Aus, vorbei, meine erste Mitteldistanz im Triathlon ist geschafft. Ausgesucht hatte ich mir ja den ITT Ferropolis in der Nähe von Leipzig. Gereizt hatte mich dabei der faire Preis von 130 Euro (140 Euro bei späterer Anmeldung) und das einzigartige Ambiente einer ehemaligen Tagebau-Grube mit riesigen Stahlbaggern und Förderanlagen.

Hier nun mein kleiner Erfahrungsbericht.

1. Landschaft

Arena ITT Ferropolis 2010

Die (noch leere) Arena des ITT Ferropolis 2010

Die Landschaft bei Oranienbaum und Gräfenhainichen – also rund um das Ferropolis-Gelände – ist angenehm waldig und schön flach. Wie geschaffen für einen schnellen Triathlon. Und zudem auch noch reizvoll für das Auge.

Das Tagebaugebiet Golpa, heute eben die Stadt aus Eisen – Ferropolis – ist als Kulisse eindrucksvoll. Riesige Stahlmonster in einer Betonumgebung mit Blick auf einen spiegelglatten See. Einfach schön und spannend. Definitiv eine Reise wert.

2. Organisation

Der ITT Ferropolis fand 2010 das zweite Mal statt. Das Startgeld von 130 oder 140 Euro klingt angemessen für die Mühe, die der Veranstalter hat. Immerhin muss eine 30 Kilometer lange Strecke für zwei Tage fast durchgehend gesperrt werden.

Insgesamt funktionierte auch alles Wichtige gut: Die Strecken waren gut gesichert und besetzt mit freundlichen Helfern. Es gab ausreichend Verpflegung während des Wettkampfes – die Auswahl war allerdings nicht besonders groß – wer Powerbar nicht verträgt nimmt lieber eigene Gels und Riegel mit.

Für gute Stimmung und Infos sorgte der Moderator, der sich auch bei der Roth Challenge um die Triathlon-Gemeinde kümmert. Die Stimme kommt einem einfach bekannt vor.

Doch es gibt auch gravierende Mängel  bei der Organisation. Der schwerwiegendste: Die Kommunikation. Die Infos auf der Webseite und der Ablauf am Tag selbst etwa deckten sich nur teilweise, wer über das Internet nachfragte bekam zusätzlich Infos, die unklar waren.

ITT Ferropolis auf dem Rad

Auf dem Rad beim ITT Ferropolis 2010

Was zum Beispiel ist ein “Bike-check”? Freundliche Helfer, die die Bremsen nochmal testen? Oder die verbindliche Zeit zum Einstellen des Rades in die Wechselzone? Letzteres. Laut Aussage der Helfer – und das sei nur am Freitag abend möglich. Aber am nächsten Tag durfte man dann doch auch noch einchecken. Heute so, morgen so.

Dann die Sache mit den Aufklebern für die Beutel: Athleten, die die Wettkampfbesprechung verpasst haben, werden sich bis heute Fragen, warum unter “Streetwear” die Radklamotten  gepackt wurden und unter “Bike” die Wärmekleidung. Eine Erklärung gab es dafür nicht einmal bei der Wettkampfbsprechung. Nur den Hinweis, dass man sich nach den Farbcodes der Aufkleber zu richten habe. Punkt, Basta! Wäre es tatsächlich so schwer gewesen zu sagen: “Sorry, wir haben die farbigen Haken an die falschen Ständer gehängt”? Damit wäre alles klar gewesen.

Oder die Anweisung auf dem Unterlagen-Couvert: Tragen Sie die Schwimmhaube so, dass man die Startnummer jederzeit erkennen kann. Welche Startnummer? Die Kappe hatte keine .

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..

In der Starterbroschüre schafften die Veranstalter es, dass bei der olympischen Distanz gar auf einer Seite die Startzeit einmal mit 10 Uhr und zweimal mit 11 Uhr angegeben wurde.

Leider hatte man auch vergessen den Startern vom Sonntag mitzuteilen, dass der Shuttlebus-Transfer zum 3 Kilometer entfernten Parkplatz bereits mittags eingestellt wurde. So saßen dort viele wartend auf einen Bus, der nie kam.

Von diesem Kaliber gab es einige Kommunikations-Fehler. Ich habe beim Start der olympischen Distanz am Wasser noch Leute über drei verschiedene Startzeiten reden hören. Tatsächlich gab es nur eine.

Das klingt alles wenig tragisch. Aber es verunsichert die Athleten einfach – und aufgeregt sind die meisten schon genug.

Hier gehört einfach deutlich nachgebessert.

3. Mein Rennen

Der Wettkampf-Tag fängt nicht so erfolgsversprechend an: “273 – gelbe Karte wegen Fahrens im Wechselgarten!” Da war sie also, meine erste Verwarnung. Was war passiert? Ich hatte mich in der noch ziemlich leeren Wechselzone auf das Rad gesetzt und war 20 Meter gerollt, um zu sehen, ob mich der Strohhalm der Trinkflasche stört. Darf man eben nicht. Nunja, Fußballer lassen sich von einer Gelben auch selten beeindrucken.

Leider dauert es bis 11 Uhr, erst dann kann ich starten: Die Zeit mit Rumhängen zu verbringen, fördert nicht die innere Ruhe. Zudem steigen die Temperaturen immer mehr. Es wird wirklich heiß.

Endlich. Es geht los. Vom Strand ins Wasser rennen und dann Kraulen, was das Zeug hält. 1,9 Kilometer – ein Kinderspiel nach all dem Training. Ich komme mit 33:06 Minuten an. Aber da steckt auch noch das Laufen am Strand mit drin. Ich ärgere mich ein wenig, denn ich habe durch mangelnde Orientierung Zeit liegen lassen. Ich bin frisch und wenig angestrengt.

Wechseln: Auch hier lasse ich Zeit liegen, da ich unbedingt meine Handschuhe beim Radfahren anziehen will. Blöde Idee mit nassen Händen. Nächstes mal streichen! Dann rauf aufs Rad und raus auf die Strecke. Alles läuft gut. Aber auch hier verschenke ich wertvolle Minuten. Ich muss nämlich insgesamt dreimal anhalten um Wasser zu lassen. Was stimmt mit der Ernährung da nicht?

Trotz der Temperaturen um die 30 Grad steige ich noch frisch vom Rad. 2:48:32 habe ich gebraucht. Das ist ok.

ITT Ferropolis 2010 Laufen

Laufen beim ITT Ferropolis 2010

Ab jetzt beginnt die Qual: Die Laufstrecke bietet so gut wie keinen Schatten. Die Luft steht, sie brennt beim Einatmen, kein Lufthauch, der Erleichterung bringt. Auf die Lauftechnik konzentrieren! Entspannen! Die ersten zwei Runden gehen sehr gut. Die dritte auch noch, die vierte Runde wird zur Qual. Ich will unbedingt noch eine Halbmarathonzeit unter 1:45 – und ich schaffe es auch noch knapp: 1:44:56 sagt die Uhr. Bei besserem Wetter wäre mehr drin gewesen. Aber nicht heute.

Im Ziel sackt mir dann prompt der Kreislauf weg. Ich muss mich sogar übergeben – an Zielverpflegung ist nicht zu denken.

Mein Fazit

Der ITT Ferropolis 2010 war eine lohnenswerte Veranstaltung, trotz der wirklich ärgerlichen Mängel in der Kommunikation. Mit meiner Zeit bin ich zufrieden unter den Umständen. Ich weiß nun, dass ich durch schnellere Wechsel, verbesserter Ernährung (weniger trinken?) und bei freundlicherem Wetter auch die 5 Stunden angreifen kann.

Ich hoffe, dass es nächstes Jahr wieder einen ITT Ferropolis gibt. Leider bin ich bei der Teilnehmerzahl nicht ganz sicher … falls es einen gibt, werde ich einen neuen Start dort in Erwägung ziehen.

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7 Responses to “ITT-Ferropolis 2010 – Erfahrungen”

  1. Reiner sagt:

    Gratulation zum ersten Finish über die Mitteldistanz und ich hoffe, dir gehts zwischenzeitlich wieder gut! Ich war gestern im Kraichgau – Challenge Kraichgau und auch bei mir was das Laufen bei der Hitze eine einzige Überwindung.

  2. Luigi sagt:

    Hi Stefan,
    Gratulation zu deiner ersten Mitteldistanz. Um so eine zeit zu schwimmen sind sicher viele,viel Stunden in dem Woche im schwimmbad nötig. Habe die Zeit dafür leider im Moment nicht. Super Leistung!
    Ja die Hitze kostet Zeit. Aber als Trost ging ja jedem gleich an dem Tag, so spiegelt das Ergebnis dann doch wieder den Leistungslevel wieder.
    Eine Gelbe Karte “vor” dem Start. Naja ein wenig kleinlich finde ich. Hätte dich vermutlich nicht gegeben. Dich aufgefordert abzusteigen. Wenn du nicht reagiert hättest dann hätte ich dir die gelbe Karte gegeben. Aber gut hatte ja sowieso keine Auswirkung.
    Wie war die flache Radstrecke, viel Windschattenfahren? Hatten die Kampfrichter das im Griff?

  3. stephan sagt:

    Gelbe Karte: Find eich auch. Ich hatte das Rad da schon wieder im Ständer stehen und ich bin wirklich nur kurz gerollt… Schwamm drüber.

    Auf der Radstrecke sah es eigentlich ok aus. Ein zwei Gruppen gab es kurz, die haben sich aber rasch wieder aufgelöst und ich halte mich da eh brav raus.

    An der Laufstrecke war dafür gar kein Kampfrichter. Und da wurde viel fremdversorgt von Familienangehörigen. Eigentlich auch nicht erlaubt. zumal alle 2,5 KM eine Verpflegung kam. Aber wer will s den Angehörigen verdenken?

  4. Luigi sagt:

    Und jetzt kann Roth kommen, oder?
    Bist du fit für den Marathon? Wir sehen uns dann ja am Rothsee, gell! Freue mich schon auf den Triathlon. In Franken ist und bleibt Triathlon immer ein besonderes Erlebnis der Spirit und die Leidenschaft springt einfach auf einen über. Und was die Orga angeht wird das ja auch wieder perfekt klappen. Für mich ist und bleibt Rothsee eine der schönsten OD´s zumindest in Bayern. Mitausnhame von Schliersee vielleicht ;-)
    Bin kräftig am Berge fahren. Der Inferno naht, es geht alles so schnell… Am WE war ich am Großglockner vorher in Schliersee 2x Sudelfeld und 1x Spitzingsattel.

  5. stephan sagt:

    Auf Marathon wird jetzt umgeschwenkt. Werde pünktlich fit sein für die Staffel :o)

    Auf die OD Rothsee freue ich michauch schon. Letztes Jahr habe ich ja ausgesetzt.

    Wann ist der Inferno denn?

  6. Luigi sagt:

    Am 21 August. Vorher kommt noch Immenstadt Classic als Trainingswettkampf. Aber die Zeit ist schnell vorbei. In die “richtigen” Berge fahren geht ja auch immer nur am WE. Schade, daß München keine Südumgehung hat. Schliersee wäre ja nur 70km weg, nur da liegt ganz München dazwischen. Sprich 1h Stau am mittleren Ring oder auf der A99.
    Berglauf und MTB Training muss ich ja auch irgendwie noch unterbringen. Werde wohl ein paar verlängerte WE in den Bergen verbringen anders geht´s nicht. Aber im Juli habe ich 3 Wochen Urlaub, da kann ich auch noch mal Gas geben…

  7. […] Laufstrecke. Jetzt wird es doch unangenehm heiß. Kaum Schatten auf der Strecke, ähnlich wie beim Ferropolis vor drei Wochen. Zweimal müssen die Triathleten die 5 Kilometer laufen – auf einer Schleife […]